Drei Jahre nach der Indienststellung des ersten Methanol-Containerschiffs ist aus dem Prestigeprojekt ein Marktsegment geworden. Was 2023 mit der „Laura Maersk“ begann, hat sich quer durch die Branche fortgesetzt: Maersk hat seine Serie großer methanolfähiger Containerschiffe Schritt für Schritt in Dienst gestellt und weitere Neubauten geordert, und auch Wettbewerber wie CMA CGM, COSCO, Evergreen und HMM sowie Reedereien aus dem Tanker- und Massengutsegment setzen bei Neubestellungen zunehmend auf methanolfähige Antriebe. Nach Branchenangaben umfasst das weltweite Orderbuch inzwischen mehrere hundert methanolfähige Schiffe – neben LNG ist Methanol damit die meistgewählte alternative Kraftstoffoption im Neubaumarkt.

Auch die Infrastruktur zieht nach, wenn auch langsamer: Große Bunkerhäfen wie Rotterdam, Singapur und Shanghai haben Methanol-Betankungen etabliert oder erprobt, weitere Häfen – darunter deutsche – bereiten Genehmigungen und Sicherheitskonzepte vor. Sogenannte grüne Schifffahrtskorridore zwischen Europa und Asien sollen Angebot und Nachfrage auf einzelnen Routen bündeln.

Das Nadelöhr bleibt der Kraftstoff selbst. Grüner Methanol wird bislang nur in kleinen Mengen produziert; viele der neuen Schiffe fahren daher im Alltag noch überwiegend mit konventionellem Kraftstoff oder begrenzt verfügbarem Bio-Methanol. Reedereien sichern sich mit langfristigen Abnahmeverträgen Kapazitäten aus Projekten in Europa, China und Übersee – doch zwischen angekündigten und tatsächlich finanzierten Anlagen klafft nach Brancheneinschätzung weiter eine erhebliche Lücke. Einige Produktionsprojekte wurden zuletzt verschoben oder aufgegeben, weil verbindliche Abnehmer fehlten.

Rückenwind kommt von der Regulierung: Die EU bepreist Schiffsemissionen über den Emissionshandel, FuelEU Maritime verlangt sinkende Treibhausgasintensitäten, und bei der IMO wird weiter über ein globales Maßnahmenpaket verhandelt. Für Reeder verschiebt das die Rechnung Jahr für Jahr zugunsten grüner Kraftstoffe – vorausgesetzt, sie sind lieferbar.

Die Bilanz Mitte 2026: Die Schiffe sind da, die Regeln kommen, der Kraftstoff fehlt noch. Ob die Methanol-Wende auf See gelingt, entscheidet sich in den Produktionsanlagen, nicht mehr auf den Werften. Hintergründe zur Technik und den Akteuren liefert unser Beitrag Methanol in der Schifffahrt; die Regelwerke erklärt Gesetzeslage & EU-Politik.