Methanol ist der einfachste Alkohol, den die Chemie kennt: ein Kohlenstoffatom, vier Wasserstoffatome, ein Sauerstoffatom – CH₃OH. Die farblose, leicht entzündliche Flüssigkeit riecht ähnlich wie Trinkalkohol, ist aber für den Menschen giftig. In der chemischen Industrie gehört Methanol seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Grundstoffen überhaupt: Weltweit werden nach Branchenangaben jährlich grob 100 Millionen Tonnen produziert, die zu Kunststoffen, Klebstoffen, Farben, Formaldehyd und vielen anderen Produkten weiterverarbeitet werden. Dass Methanol daneben auch ein Kraftstoff sein kann, ist keine neue Idee – Rennserien fahren seit Jahrzehnten damit. Neu ist die Perspektive, Methanol klimaneutral herzustellen und damit Schiffe, Lkw und perspektivisch auch Pkw anzutreiben.

Die chemischen Eigenschaften im Überblick

Für die Nutzung als Kraftstoff sind vor allem vier Eigenschaften entscheidend. Erstens: Methanol ist bei Raumtemperatur und Normaldruck flüssig. Anders als Wasserstoff oder Methan braucht es weder Drucktanks noch Kryotechnik – ein gewöhnlicher Tank und eine Pumpe genügen im Prinzip. Zweitens: Die Oktanzahl liegt deutlich über der von Benzin (ROZ etwa 110), weshalb Motoren mit höherer Verdichtung und besserem Wirkungsgrad laufen können. Drittens: Die Energiedichte ist mit rund 15,8 Megajoule pro Liter nur etwa halb so hoch wie bei Benzin – für die gleiche Reichweite braucht man also grob den doppelten Tankinhalt. Viertens: Methanol verbrennt sehr sauber, praktisch ohne Ruß und ohne Schwefeloxide. Mehr dazu im Beitrag Sicherheit & Umwelt.

Wie Methanol hergestellt wird

Das Grundprinzip der Methanolsynthese ist seit den 1920er-Jahren industrieller Standard: Ein Synthesegas aus Wasserstoff und Kohlenstoffoxiden reagiert an einem Katalysator unter Druck und erhöhter Temperatur zu Methanol. Entscheidend für die Klimabilanz ist, woher dieses Synthesegas stammt. In der Branche hat sich dafür – wie beim Wasserstoff – eine Farbenlehre eingebürgert:

  • Grauer Methanol entsteht aus Erdgas oder Kohle. Das ist heute der Normalfall: Der weitaus größte Teil der Weltproduktion ist grau, ein erheblicher Anteil davon stammt aus kohlebasierter Produktion in China. Die CO₂-Bilanz ist entsprechend schlecht.
  • Blauer Methanol wird ebenfalls fossil erzeugt, das anfallende CO₂ wird jedoch abgeschieden und gespeichert oder genutzt (CCS/CCU). Das senkt die Emissionen, macht den Kraftstoff aber nicht klimaneutral.
  • Biomethanol entsteht aus Biomasse oder biogenen Reststoffen, etwa aus der Zellstoffindustrie oder aus Biogas. Die Mengenpotenziale sind real, aber begrenzt.
  • Grüner bzw. e-Methanol wird aus grünem Wasserstoff (per Elektrolyse mit erneuerbarem Strom) und CO₂ synthetisiert – idealerweise CO₂ aus biogenen Quellen oder direkt aus der Luft. Nur dieser Pfad kann nahezu klimaneutral sein. Wie das im Detail funktioniert, erklärt der Beitrag e-Methanol erklärt.

Warum ausgerechnet Methanol?

Unter den synthetischen Kraftstoffen nimmt Methanol eine Sonderstellung ein, weil es das einfachste flüssige Molekül ist, das sich aus Wasserstoff und CO₂ herstellen lässt. Jeder weitere Syntheseschritt – etwa zu synthetischem Benzin, Diesel oder Kerosin – kostet zusätzliche Energie und Geld. Wer den Umweg über komplexere Moleküle vermeidet, bekommt mehr nutzbaren Kraftstoff pro Kilowattstunde erneuerbaren Stroms. Hinzu kommt: Methanol ist als Massenchemikalie weltweit etabliert. Häfen, Tanklager, Chemieparks und Reedereien kennen den Umgang mit dem Stoff seit Jahrzehnten, Transport und Lagerung sind geregelt und erprobt. Diese vorhandene Infrastruktur ist ein gewichtiges Argument gegenüber Wasserstoff, der eine komplett neue Logistik benötigt – ein Vergleich, den wir im Beitrag Methanol vs. Wasserstoff vs. Elektro vs. HVO ausführlich ziehen.

Die Grenzen: Toxizität und Energieaufwand

Methanol ist kein Wundermittel. Die Giftigkeit für den Menschen erfordert beim Tanken und Lagern klare Regeln – auch wenn Methanol in der Umwelt deutlich schneller abgebaut wird als Benzin oder Diesel. Und die Herstellung von e-Methanol ist energieintensiv: Über die gesamte Kette von der Stromerzeugung bis zum Rad geht ein großer Teil der eingesetzten Energie verloren. Deshalb sehen die meisten Fachinstitute, darunter Fraunhofer-Institute und das Umweltbundesamt, den sinnvollsten Einsatz dort, wo Batterien an Grenzen stoßen: in der Schifffahrt, in Teilen des Schwerlastverkehrs und in der chemischen Industrie selbst.

Fazit

Methanol ist ein alter Bekannter der Industrie mit neuer Relevanz: gut lagerbar, sauber verbrennend, mit vorhandener Infrastruktur – aber giftig, energieärmer als Benzin und heute noch fast ausschließlich fossil hergestellt. Ob Methanol zum Klimakraftstoff wird, entscheidet sich nicht an der Chemie, sondern an der Frage, wie schnell und wie günstig grüner Methanol in großen Mengen verfügbar wird.