Glossar
Die wichtigsten Fachbegriffe rund um Methanol als Kraftstoff – kurz erklärt. Vertiefungen finden Sie in den Grundlagenbeiträgen.
- Bunkering (Bunkern)
- Fachbegriff für die Betankung von Schiffen. Für Methanol bauen große Häfen wie Rotterdam, Singapur oder Shanghai derzeit eigene Bunker-Infrastruktur und Sicherheitsregeln auf.
- CCS / CCU
- Carbon Capture and Storage bzw. Utilization: CO₂ wird aus Abgasen oder der Luft abgeschieden und entweder dauerhaft gespeichert (CCS) oder als Rohstoff genutzt (CCU) – etwa für die Methanolsynthese.
- Direct Air Capture (DAC)
- Technologie, die CO₂ direkt aus der Umgebungsluft filtert. Die sauberste CO₂-Quelle für e-Methanol, derzeit aber noch die mit Abstand teuerste.
- Direktmethanol-Brennstoffzelle (DMFC)
- Brennstoffzellentyp, der Methanol ohne vorherige Reformierung direkt in Strom umwandelt. Wegen begrenzter Leistung vor allem in Nischen verbreitet, etwa zur Stromversorgung von Booten und Wohnmobilen.
- Dual-Fuel-Motor (Zweistoffmotor)
- Motor, der wahlweise mit zwei Kraftstoffen laufen kann, z. B. Methanol und Marinediesel. Standard der neuen Methanol-Schiffe: Fehlt Methanol im Hafen, fährt das Schiff konventionell weiter.
- e-Fuel
- Sammelbegriff für synthetische Kraftstoffe aus erneuerbarem Strom, Wasser und CO₂ – darunter e-Methanol, e-Benzin, e-Diesel und e-Kerosin. Chemisch den fossilen Vorbildern ähnlich oder gleich.
- e-Methanol
- Methanol, das aus grünem Wasserstoff und CO₂ mit erneuerbarem Strom synthetisiert wird. Kann nahezu klimaneutral sein, wenn Strom- und CO₂-Quelle stimmen. Ausführlich erklärt im Grundlagenbeitrag e-Methanol.
- Elektrolyse
- Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff mittels elektrischem Strom. Erster und teuerster Schritt der e-Methanol-Herstellung; Wirkungsgrad moderner Anlagen grob 60–70%.
- Energiedichte
- Energiegehalt pro Volumen oder Gewicht eines Energieträgers. Methanol erreicht volumetrisch rund die Hälfte von Benzin – für gleiche Reichweite braucht es also etwa den doppelten Tankinhalt.
- EU-Emissionshandel (ETS)
- Europäisches Klimaschutzinstrument: Für jede emittierte Tonne CO₂ müssen Zertifikate gekauft werden. Seit 2024 schrittweise auch für die Seeschifffahrt – ein wichtiger Kostenhebel zugunsten grüner Kraftstoffe.
- Flexible Fuel Vehicle (FFV)
- Fahrzeug, das mit variablen Mischungen zweier Kraftstoffe fahren kann, z. B. Benzin und M85. Bekannt aus dem kalifornischen Methanolprogramm der 1980er/90er-Jahre.
- FuelEU Maritime
- Seit 2025 geltende EU-Verordnung, die die Treibhausgasintensität der an Bord von Schiffen genutzten Energie schrittweise senkt. Schafft planbare Nachfrage nach Kraftstoffen wie e-Methanol.
- Grüner Wasserstoff
- Wasserstoff aus Elektrolyse mit erneuerbarem Strom. Grundbaustein aller E-Fuels; die „Farbe“ unterscheidet ihn von grauem (aus Erdgas) und blauem (fossil mit CO₂-Abscheidung) Wasserstoff.
- HVO (Hydrotreated Vegetable Oil)
- Paraffinischer Dieselersatz aus hydrierten Pflanzenölen, Altspeisefetten und Reststoffen. In Deutschland seit 2024 als HVO100 an Tankstellen zugelassen; Rohstoffbasis begrenzt.
- IMO (Internationale Seeschifffahrtsorganisation)
- UN-Organisation mit Sitz in London, die die internationale Schifffahrt reguliert. Ihre Klimastrategie von 2023 strebt Netto-Null-Emissionen „um 2050“ an – zentraler Treiber der Methanol-Schifffahrt.
- M100
- Reines Methanol als Kraftstoff. Erfordert speziell ausgelegte Motoren und methanolfeste Materialien – im Einsatz etwa bei Geely-Pkw in China und in der Schifffahrt.
- M15
- Ottokraftstoff mit rund 15% Methanolanteil. In mehreren chinesischen Provinzen regulärer Kraftstoff; viele Bestandsmotoren vertragen solche niedrigen Beimischungen mit geringen Anpassungen.
- M85
- Kraftstoffgemisch aus ca. 85% Methanol und 15% Benzin für Flexible Fuel Vehicles. Historisch das Rückgrat des kalifornischen Methanolprogramms.
- Methanolsynthese (Syntheseverfahren)
- Katalytische Reaktion von Wasserstoff mit CO₂ oder CO zu Methanol bei erhöhtem Druck und ca. 250 °C. Industriell seit den 1920er-Jahren etabliert, heute meist an Kupfer-Zink-Katalysatoren.
- Oktanzahl
- Maß für die Klopffestigkeit eines Ottokraftstoffs. Methanol erreicht rund 110 ROZ – deutlich mehr als Benzin – und erlaubt damit höhere Verdichtung und bessere Motorwirkungsgrade.
- Power-to-X (PtX)
- Oberbegriff für Verfahren, die erneuerbaren Strom in chemische Energieträger umwandeln – „X“ steht für Gase (Power-to-Gas) oder Flüssigkeiten (Power-to-Liquid) wie Methanol.
- PtL (Power-to-Liquid)
- Teilbereich von Power-to-X: die Herstellung flüssiger Kraftstoffe aus Strom, Wasser und CO₂. e-Methanol ist das einfachste PtL-Produkt; e-Kerosin für die Luftfahrt das prominenteste.
- RED III
- Dritte Fassung der EU-Erneuerbaren-Richtlinie (Renewable Energy Directive), in Kraft seit 2023. Setzt verbindliche Ziele für erneuerbare Energie im Verkehr, inklusive Unterquoten für strombasierte Kraftstoffe.
- RFNBO
- „Renewable Fuels of Non-Biological Origin“: EU-Rechtsbegriff für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biogenen Ursprungs, also strombasierte Kraftstoffe wie grüner Wasserstoff und e-Methanol.
- THG-Quote
- Deutsche Treibhausgas-Minderungsquote: verpflichtet Kraftstoff-Inverkehrbringer, die Emissionen ihrer Produkte zu senken – u. a. durch Beimischung erneuerbarer Kraftstoffe.
- Well-to-Wheel
- Betrachtung der gesamten Energiekette „von der Quelle bis zum Rad“, inklusive Herstellung, Transport und Nutzung. Maßstab, an dem E-Fuels wegen ihrer Umwandlungsverluste schlechter abschneiden als Direktstrom.